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Donnerstag, 1. Mai 2025

.die krümelmonster ag | gedanken zum blog

Ich spüre, wie sich Veränderungen in mir manifestieren, ohne dass ich sie bewusst steuere. Ob es mit dem hormonellen Wandel des Klimakteriums einhergeht oder grundsätzlich mit dem Alter, und damit mit einer sich womöglich verändernden Lebenseinstellung zusammenhängt .. ich weiß es nicht.

Anfangs dachte ich, dass dies ein neuer alter Ort wäre, um mein bestehendes Blog Die Krümelmonster AG einfach wieder zu beleben und fortzusetzen. Mit allem drum und dran .. den Projekten und Aktionen, die ich immer so geliebt habe. Mitmachend oder selbst moderierend. Mehr zu tun als nur meine Gedanken in kurzen Worten ins Netz und damit endlich raus aus den Schatten meines Hirns zu bringen. Obgleich mir klar und ich mir bewusst war, dass nur noch wenige meiner früheren Wegbegleiter*innen bloggen und damit auch lesen, dachte ich, an die gute alte Zeit, das schöne Gefühl, anknüpfen zu können. Diese anfängliche Vorstellung war jedoch ausschließlich von einer kurzfristigen Hoffnung getragen. Nicht nur das Bloggen, auch ich und vor allem meinen Gefühl, Social Media gegenüber haben sich gewandelt.

Niemand schaut hier bewusst, absichtlich vorbei. Fast könnte man sagen, meine Posts laufen ins Leere. Aber nur fast. Denn das tun sie nicht. Meine Posts auf meinem Blog waren, sind und bleiben meine ganz persönliche Erinnerungen. So gerne stöbere ich in alten Beiträgen wie in einem fast vergessenen Fotoalbum, das ich auf dem staubigen Dachboden gefunden habe. Das ist schön. Und alles, was zählt.

Während ich in der Zeit von 2009 bis 2016 stetig in und unter meinen Posts mit den Leser*innen sowie den Blogrunden mit den Autor*innen interagierte, stellt es für mich nun eine immense Erleichterung dar, nicht mehr im Mittelpunkt zu stehen. So wie es bei Twitter|X der Fall war, wo ich mit dem Lesen und Beantworten der Replies und den Gegenbesuchen auf den Accounts kaum noch nachkam. Ähnlich verhielt es sich allerdings ebenfalls lange Zeit auf meinem Blog. Erst konnte ich ..auch zeitlich.. den Interaktionen nicht mehr gerecht werden, dann gingen sie so sehr zurück, dass ich mich ..zugegeben damals etwas frustriert.. einem anderen Medium zugewandt habe.

Sicher ..und das muss offen gesagt werden können.. ist eine solche Aufmerksamkeit überwiegend schmeichelnd, pusht und streichelt das Ego. Es beinhaltet jedoch auch Erwartungen, setzt ..zeitweise oder auch dauerhaft.. unter Druck und stresst. Mich jedenfalls. Ein weiterer Grund, weshalb ich Twitter|X verlassen habe. Mit allen Konsequenzen, denn ich war ..und hier spreche ich wirklich von Glück.. nie den Anfeindungen einer Masse ausgesetzt. 

Ich kann also allen anfänglichen Vorstellungen zum Trotz feststellen und sagen, dass ich es als eine glückliche Fügung des Schicksals empfinde, dass es nun ist, wie es ist. Nicht nur ruhig, sondern still .. sofern ich nicht aufgrund meiner Beteiligung an einer Mitmachaktion auf mich respektive den entsprechenden Post aufmerksam gemacht habe.

Ich las irgendwo einmal: Man kann die Vergangenheit so fest an die Brust drücken, dass die Arme zu voll sind, um die Gegenwart zu umarmen. So gerne ich auch in Nostalgie schwelge .. Vergangenheit kann prägen, lehren und erinnern. Aber sie kann und muss nicht zwangsläufig Baustein der Gegenwart sein. Sie ist auch kein Klassiker, der durch eine gekonnte Neuverfilmung wieder zum Kassenschlager wird.

Was erwarte ich nun? In der Gegenwart? Für die Zukunft?

Nach wie vor ist Schreiben für mich Seelenhygiene. Gedanken zu formulieren und "auf Papier zu bringen" befriedigt und befreit mich. Tut mir mehr als nur gut; ich brauche es. Ob in Form von Tweets, Blogposts, Notizen oder meinen Romanen. Während meiner vierjährigen, toxischen On|Off-Beziehung schrieb ich über einen kurzen Zeitraum Tagebuch. Im Geheimen. Ich bedaure, dass ich dieses in einem emotionalen Ausnahmezustand gelöscht habe, obgleich dessen Inhalt ohnehin keinem auch nur zufällig vorbeilesenden Fremden zugänglich hätte sein sollen.

Jetzt, heute, hier habe ich keine brisanten Themen mehr. Ich habe meinen Alltag und den Versuch, diesen bestmöglich zu meistern. Ich habe meine Pläne und die Hürden, die ich in der Regel nicht stolperfrei bewältige. Ich habe mich, meine Gedanken und dieses alte Blog. Ein verstaubtes Album längst vergangener Zeit, das mir so vertraut ist, so nah, und in dem ich gerne blättere. Auf dem allerdings noch viele Seiten frei sind, die ich .. zwar mehr oder weniger öffentlich, aber dennoch unbeachtet und damit für mich stressfrei .. füllen kann. Mit Bildern, Gedanken, neuen Erinnerungen und Notizen. Für mich. Und das ist wahrlich ein verdammt gutes Gefühl. 

Es ist wie mit meinen Romanen: Ich habe eine Idee, eine Vorstellung über den Verlauf. Doch bereits nach kurzer Zeit entwickeln sie ein Eigenleben und gestalten sich zwar anders als erwartet, aber doch zu meiner Zufriedenheit, oder mindestens der Gewissheit, dass alles so kam wie es kommen sollte. Alles fügt sich. Alles ist gut so.

Ich schreie hier nicht ins Leere. Ich schreibe. Ich notiere. Für mich. Auch dies.

Donnerstag, 27. Februar 2025

.sechzehn | 27.02.2009

Sechzehn.

Der 16. Geburtstag markiert die Schwelle zum Erwachsenwerden. 

Am 27. Februar 2009, um 21:29 Uhr, veröffentlichte auf diesem Blog meinen ersten Post.

Bis heute enthält er 4.840 Beiträge und 29.020 Kommentare. Bis Ende Juni 2016 bloggte ich beinahe täglich. Mehrere Posts sogar. Bis zu diesem Zeitpunkt schien das alltägliche Bloggen bereits ein wenig "aus der Mode gekommen" .. viele wendeten sich inzwischen Instagram, Facebook und Twitter zu. Letzterem auch ich. 

Wie es dazu kam, dass ich nun wieder hier bin, steht in .3tausendund9und8zig.

Worttrennung:
sech·zehn

IPA:
[ˈzɛçt͡seːn]

Bedeutungen:
[1] die Kardinalzahl zwischen fünfzehn und siebzehn; sechzehn, zwei hoch vier (24)

[2] kurz für „sechzehn Jahre (alt)“

Abkürzungen:
[1] Arabische Ziffern für sechzehn: 16
[1] Römische Ziffern für sechzehn: XVI
[1] Hexadezimale Schreibweise: 1016

Herkunft: 
von sechs und zehn

Die Sechzehn (16) ist die natürliche Zahl zwischen Fünfzehn und Siebzehn. Sie ist gerade.

Sie ist gerade und eine Quadratzahl sowie eine Biquadratzahl. Außerdem ist sie eine Størmer-Zahl.

Zudem ist 16 die einzige Ganzzahl, für welche die Eigenschaft  (für ganzzahlige, ungleiche a und b) gilt: .

Juristisch tritt die Zahl Sechzehn vor allem als eines der Alter auf, ab dem Heranwachsenden spezielle Rechte zugebilligt werden. So wird der Gebrauch bestimmter Genussmittel wie Alkohol sowie der eingeschränkte Besuch von Gaststätten mit Erreichen dieses Alters erlaubt. Im Alter von 16 Jahren kann man zudem in vielen Staaten der USA und Kanadas die Fahrerlaubnis erhalten.

In einer Reihe europäischer Staaten sind Jugendliche mit Vollendung des sechzehnten Lebensjahres dem sogenannten Schutzalter entwachsen, das heißt, dass in diesen Ländern sexuelle Handlungen mit mindestens 16 Jahre alten Personen erlaubt sind.

In der buddhistischen Mythologie hat die Sechzehn eine Bedeutung für die Sechzehn Gesetze; im Christentum tritt sie seltener als Verbindung der Zehn und der Sechs über die zehn Gebote und die Anzahl der Schöpfungs- bzw. Werktage in Erscheinung. Die Zahl Sechzehn gibt die Anzahl der Propheten an.

Da die Sechzehn eine Zweierpotenz (24) ist, wird das Hexadezimalsystem als Zahlsystem mit 16 Ziffern als Alternative zum Dualsystem verwendet.

Im Französischen ist die Zahl 16 (seize) die letzte nicht zusammengesetzte Zahl, die erste echte zusammengesetzte Zahl ist 17 (dix-sept).

In der Numerologie steht die Zahl 16 oft für Veränderung, Transformation und Erneuerung. Sie fordert uns auf, alte Muster loszulassen und Platz für Neues zu schaffen. Gleichgewicht und Harmonie: Die Zahl 16 kann auch als Symbol für Gleichgewicht und Harmonie gesehen werden.

Mit der Zahl 16 verbindet man laut Numerologie Lernbereitschaft, Seelenstärke und den Weg der Bestimmung.

Da 16 die Quadratzahl von 4 ist, besitzt es günstige Eigenschaften. Es war im alten Indien beliebt; die Veden sprechen von 16-fachen Beschwörungen, und die chinesisch-indische Göttin Pussa hat 16 Arme. Die Rosenkreuzer glaubten, dass die Natur aus 16 Elementen besteht.

Die Zahl 16 hat in vielen Kulturen und spirituellen Traditionen eine besondere Bedeutung. Sie wird oft mit Themen wie Transformation, Gleichgewicht und innerer Stärke in Verbindung gebracht. Transformation und Erneuerung: In der Numerologie steht die Zahl 16 oft für Veränderung und Erneuerung.

Auch wenn eine Veränderung bevorsteht, kann die Engelszahl 16 auch eine Botschaft sein, dass Sie bald Schwierigkeiten überwinden und das Leben in Fülle genießen werden. Auch wenn Veränderungen im Moment negativ erscheinen, wird am Ende alles gut. Die Zahl 16 hat die Energie der Vollendung, der Überwindung von Schwierigkeiten und der Entwicklung in eine positive Richtung.



Montag, 30. Dezember 2024

.projekt zwanzig5und20 | von vorsätzen, umsetzen und re-create

Dafür, dass ich die Weihnachtsdekoration diese Saison noch den ganzen Januar stehen | hängen | leuchten lassen wollte, statt sie .. wie üblich .. an Heilige Drei Könige wegzuräumen, hat sie bereits heute ziemlich zügig ihren Weg in die Kartons und diese in den Keller gefunden.

Dafür, dass ich die Wohnung .. wie üblich .. am letzten oder vorletzten Tag des alten Jahres nochmal auf Hochglanz bringen wollte, habe ich heute ziemlich viel rumgebummelt und unter anderem einen neuen Staubsauger bestellt, weil ich mit diesen Geräten genauso viel Glück habe wie mit Männern. Ganz üble Sache also.

Dafür, dass ich den letzten Tag des Jahres .. wie üblich .. mich selbst auf Hochglanz bringen wollte, habe ich den Silvestertag spontan mit meiner Mama und meiner Tante verplant. Also, so ziemlich. Den Abend werde ich .. wie üblich .. Lachs und Ei und Kräuterbaguette essen, auf dem Sofa lümmeln und gen Mitternacht die Katzmänner so gut es geht beruhigen. 

Ich brauche Rituale. Rituale geben mir Sicherheit. Rituale sind meine Regeln. Meine Grenzen. Ich brauche das. Oder brauchte? Habe ich mir das alles mein Leben lang nur eingeredet? Ich habe keine Ahnung. Ich denke darüber nach. 

Silvester .. der Jahreswechsel .. war für mich immer der wichtigste Feiertag des Jahres. Der Wechsel bestimmte, was ich im alten Jahr | Leben zurücklasse und ins neue mitnehme. Das halte oder hielt ich für entscheidend, wie sich meine Zukunft gestalten würde. 

2024 war der erste Tag des Jahres ein Montag. Perfekt für mich .. fand mein innerer Monk. Das Leben fand das ganz offenkundig nicht und grätschte mir bei jeder Gelegenheit in die Sicherheit. Wider Erwarten ließ mich das nicht an den Ritualen zweifeln, sondern nur an mir selbst. Mit [hüft-]weitreichenden Folgen. Aber das ist ein Thema, das ich immer noch vor mir herschiebe.

Die inzwischen zwölf Kilo Mehrgewicht will ich selbstredend so bald wie möglich wieder loswerden, respektive das Entwichten in Angriff nehmen. Geplant war gleich das neue Jahr. Nun habe ich im Januar einige sehr kalorienlästige Verabredungen, die mir da einen ordentlichen Strich durch die Planung machen. Darüber hätte ich mich noch vor einiger Zeit sehr geärgert. Und jetzt? Sieht so aus, als hätte selbst mein innerer Monk auf Entspannung geschaltet. Ich gehe es eben einfach langsam[er]. Ich werde 56 .. so schnell wie in der Kleidergröße aufgestiegen bin, werde ich sowieso nicht wieder absteigen. 

Statt also .. wie üblich .. heute gleich nach der ersten Tasse Kaffee und der ersten Zigarette direkt mit dem Aufräumen und Putzen zu beginnen, zog ich mich nach dem Entweihnachten an, um nochmal in den Supermarkt zu gehen. Seit meinem verlängerten Wochenende im Europa-Park sehen es die Katzmänner noch weniger gerne, wenn ich das Haus verlasse. Antons Blick zeigt das überdeutlich.

Zu meiner großen Freude ist heute meine schon vor vielen, vielen Monden bestellte Lieferung von wollplatz.de eingetroffen. Ich hatte die Stylecraft ReCreate DK vor einiger Zeit bei Lucy gesehen; sie hat mir sofort gefallen. Ich mag diesen Anschein von Unperfekt, den diese farbigen Knubbels im Garn verursachen. 

Da ich überhaupt keine Vorstellung bezüglich der Farbkombination für meine neue Ripple Blanket hatte und es ohnehin nur 16 Farben gibt, habe ich schon bei der Bestellung beschlossen, einfach alle Farben in einer Decke zu verhäkeln. Also zimmerte ich heute Mittag geschwind noch die Farbklammern und legte sie mir so, dass es für mein Auge passt.

Eigentlich wollte ich ja das Paar Socken fertig stricken, das nur noch ein paar Runden braucht. Tatsächlich ist jetzt aber die ersehnte Häkelwolle da und .. tjanun.

Donnerstag, 19. Dezember 2024

.halbjahresrückblick 4und20 | dies und das und überhaupt

Der letzte Blogbeitrag ... mittels Repost im Dezember ... stammt vom Juni; ich habe mich daher für einen Halbjahresrückblick entschieden, um all die Bilder der letzten sechs Monate hier zu sichern. Okay. Nicht alle, denn eindeutige Aufnahmen meiner Enkel (oder anderer Personen, die nicht explizit ihre Erlaubnis erteilt haben) werde ich grundsätzlich nicht ins Netz stellen.

Zwanzigvierundzwanzig fühlte sich dieses Mal viel voller an als alle anderen Jahre. Ich schreibe fühlte, weil es 2018 bis 2022 ja auch war, besonders sogar, ich aber nun mal ein paar Jahre jünger und etliche Kilo leichter und nach meiner Trennung eben sowohl emotional als auch körperlich auf meinem ganz persönlichen Zenit.

Wir schreiben Juni 2024 und Jakob aka Jackson ist nun acht Monate Teil unserer kleinen Familie. "Wo eine Katze Platz hat, hat auch eine zweite Katze Platz und eine dritte Katze fällt gar nicht ins Gewicht." Haha. Bis zum zweiten Satzteil möchte ich dieser Aussage in Gänze zustimmen. Ich hatte Emil und Paul, zwei Brüder, adoptiert und mich sehr rasch an den Mehraufwand gewöhnt. Als mir bewusst wurde, dass Emil nach Paulchen viel zu frühem Tod aufgrund eines Herzfehlers auch gut mit mir alleine hätte leben und zufrieden sein können, stand Antons Einzug schon fest. Während der drei Monate mit Singlekatze ist mir wohl schon aufgefallen, dass ich schon etwas weniger Ausgaben ich für Futter habe und weniger verirrtes Katzenstreu sowie Halblanghaare aufsaugen muss. Mit Anton kehrte die Gewohnheit zurück. Wie viel mehr also sollte eine dritte Katze schon ausmachen? Nun, es ist mehr als ich erwartet hatte, wird aber niemals so viel ausmachen wie das Gefühl und die Liebe, die ich für meine drei Katzmänner habe ... und sie, wenn es ihr felidaer Großmut zulässt, für mich.

Veranstaltungen mit Karussell besuchen sowohl meine Enkel als auch deren Eltern und ich gerne. Davon gibt es ja ganzjährig genug. Im Juli 2024 waren wir beispielsweise auf Kirmes in Bickenbach. Dort gab es Kindertattoos, wovon A., mein großer Enkel natürlich ganz besonders angetan ist ... ob's in den Genen liegt? Keine Ahnung. Ich selbst, meine Söhne und Schwiegertöchter sind jedenfalls großflächig tätowiert. Es mag also eher ein Abgucken sein.



Ebenfalls im Juli 2024 stand mein 55. Geburtstag an. Es ist keinesfalls so, dass ich meinen Geburtstag nicht mag. Er interessiert mich nur einfach nicht. Genauso wenig wie mein ...fortschreitendes... Alter. Also, bis jetzt. Letzteres wird sich vermutlich in den nächsten Jahren mit dem zunehmenden Bewusstsein der Zipperlein sowie der Endlichkeit des Lebens ändern. Bleiben wir also erstmal im Hier und Jetzt.


Enkelmamaschwiegertochter hat mir einen Biscoffkeksschokokuchen gemacht. Ihrer Ansicht nach geht absolut kein Weg an einem Geburtstagskuchen vorbei. An meiner Hüfte leider auch keine Kalorie. 


Wo wir's gerade von Festen und Kalorien haben: Die Churros auf dem Fischerfest in Gernsheim im August 2024 haben es nicht mal mehr aufs Bild geschafft.


Überhaupt habe ich das ganze Jahr über viel zu viel gegessen ... was nicht an den vielen Treffen, die Nahrungsaufnahme und nicht selten auch alkoholische Getränke beinhalteten, liegt ... und damit in mehrfacher Hinsicht ein Problem ist. Aber dazu schreibe ich vielleicht ein anderes Mal.

August 2024 war auch der Monat, an dem die Enkelkindereltern das erste Mal seit knapp drei Jahren mehr als eine Stunde gemeinsam "kinderfrei" hatten und A und I von der Schwiegermama meines Großen und mir betreut wurden. Die Jungs und die Omas hatten an diesem Tag irrsinnigen Spaß miteinander ... und ich am nächsten Tag Muskelkater, der sich gelohnt hat. Ich liebe alles daran!


Es ist merkwürdig. Natürlich ist man ... denke ich ... als Oma ebenso nachsichtiger wie vorsichtiger. Mir geht es jedenfalls so. Ich habe immer Sorge, die Enkel könnten sich ausgerechnet bei mir ein Knie aufschlagen, oder so. Dass sowas ohnehin passiert, ist mir schon klar. Grundsätzlich ist wir wichtig, den Eltern auf keinen Fall die Erziehung zu grätschen. Belehrungen oder ungefragte Ratschläge werden meine Kinder niemals von mir hören. Davon hatte ich selbst genug ... es war furchtbar! Kurz: ich möchte als Oma alles richtig machen. Und das ist das Merkwürdige: wenn die kleinen Jungs dann bei mir sind, bin ich einfach ich. Ohne nachzudenken. Und offensichtlich mache ich genau damit alles richtig.


Im September 2024 heiratete der Sohn meiner weltbesten Besten. Bei allerbestem Wetter. Und so konnte ich mein Lieblingskleid endlich nochmal tragen (das erste und letzte Mal war zur marokkanischen Hochzeit einer befreundeten Kollegin). Die Feier war ein riesige Party und einfach fantastisch. 

Auf Twitter durfte ich übrigens ein paar wenige empörte Kommentare lesen, die sich alle auf die Farbe des Kleides bezogen. Schwarz! Wie kannst du nur? Das darf man nicht zu einer Hochzeit tragen! Eieieieiei.

Überhaupt hatten wir im September noch so viele sonnige Tage. Ich glaube, so viele Tage wie in 2024 habe ich in den letzten 55 Jahren nicht auf dem Spielplatz verbracht. Jedenfalls nicht so entspannte.

Die Nachmittage, die ich mit A alleine verbringe, mehren sich. Nicht als Notdienst, sondern auf ausdrücklichen Wunsch des großen Enkels. Die gemeinsamen Stunden verbringen wir, indem wir gemeinsam malen, spielen, uns Quatsch ausdenken, Gemälde aus Kreide im Hof anfertigen, zusammen kochen und essen und A von mir kindergeschminkt werden möchte. Man weiß tatsächlich erst, was man vermisst hat, wenn man es endlich erleben darf.

Natürlich gab es auch wieder Spaßtage mit meinen beiden Freundinnen, die auch Kolleginnen sind. Wenn auch weniger als wir es uns gewünscht haben. Altersgemäß könnte ich die Mutter der beiden sein. Tatsächlich aber sind wir ein altersloses Team. Und zwar ein verdammt gutes! Immer wenn wir gemeinsam etwas unternehmen, gehen wir auch irgendwohin Essen. Und immer dorthin, wo noch keine von uns war. Wir suchen sozusagen Geheimtipps auf. Im November 2024 waren wir in Jins Haus, einer traditionellen chinesischen Suppenküche. Bisschen eng und rappelvolle dort, aber definitiv empfehlenswert.

Und nun sehe ich 2025 schon an der Stechuhr stehen und auf den Schichtwechsel warten. Kann mir mal jemand sagen, wo die Zeit geblieben ist? Seit Corona rennt sie, fühle ich. Mag aber auch sein, dass einfach nur ich langsamer geworden bin.


Den Langen Ludwig werde ich mir jedenfalls noch ganze zwölf Jahre jeden Tag anschauen. Zumindest wochentags. Und wenn ich nicht gerade Homeoffice oder Urlaub habe. Mal schauen, wie lange die sich anfühlen werden. Gefühlt ist nämlich übermorgen schon Februar.

Sollte es eine Rechtfertigung fürs Bloggen brauchen ... was es natürlich nicht tut ..., wäre es für mich die Notwendigkeit für das Aufbewahren von Erinnerungen und Bildern. Ich liebe es, durch die alten Posts zu scrollen und dann immer ein bisschen in der Vergangenheit zu stöbern. Das Alter macht wohl zunehmend nostalgisch. Und vergesslich. Vergesslich macht es auch. Weshalb es mir jetzt umso wichtiger ist, so viel wie möglich festzuhalten. Kurz: es folgen noch ein paar Rückblicksposts. 

Donnerstag, 12. Dezember 2024

.jahresanfangsmöööp | ist es das? [30.01.2024]

Ich bin über einen fantastischen Post auf Nics Blog gestoßen. Dort beschreibt sie Gründe bzw. Auslöser für das von ihr so witzig wie treffend beschriebene Jahresanfangsmööp, also das alljährliche Stimmungstief im Januar (und fügt auch hilfreiche Tipps gegen den Januar Blues an). Ich möchte allerdings nur die Gründe gerne noch für mich auseinandersetzen, bevor ich meinem Kopf respektive meinen Gedanken zu diesem Thema mal ein paar Tage (dann ist ja auch schon Februar) eine Auszeit gönne. Nics Tipps für mehr Selbstfürsorge und Seelenhygiene hebe ich mir für später auf.

[im Übrigen habe ich hier alle Blogs und Artikel etc. stets direkt im Text verlinkt - einfach mit der Maus drüberfahren, bis die Hand erscheint, oder auf den Text im Display tippen - irgendwas wird sich auf jeden Fall öffnen]



Die 7 Gründe, warum viele Menschen sich gerade Anfang eines Jahres emotional nicht auf der Höhe fühlen, zählt Nic also wie folgt auf:

1. Das Wetter ... Obgleich ich mir keine irgendwie geartete Wetterfühligkeit anlasten möchte, lassen sich der Mangel an Tageslicht und damit einhergehend des reduzierten Serotoninspiegels natürlich nicht leugnen. Dass ein niedriger Serotoninspiegel zu Gefühlen von Traurigkeit, Angst und Reizbarkeit führen kann, ist belegt. Ich selbst habe in den letzten Jahren mein Jahresanfangstief mit den sich jährlich wiederholenden Versprechen und deren sich ebenfalls jährlich wiederholenden Brüche selbiger durch {ihn} in Verbindung gebracht und dem Tief daher stets bereits im Vorfeld mit Vorsätzen und anderweitigen Plänen entgegengewirkt. Tjanun. Bislang dachte ich immer nur an (zwischen-) menschliche Enttäuschung. Es könnte aber im Grunde doch nur Serotonin gewesen sein. 

2. Der Lichtmangel ... Im Winter nehme ich meine Vitamin D-Kapseln und habe tatsächlich nur in Ausnahmefällen Schwierigkeiten mit dem Aufstehen. Mein Biorhythmus ist ein Vierjahreszeitenhahn. Schlapp bin ich augenblicklich trotzdem, möchte das allerdings nicht den aktuellen Lichtverhältnissen anlasten.

3. Das Ende der Feierei und mehr soziale Isolation ... Damit kann ich mich persönlich nicht identifizieren. So viel wird bei uns nicht mehr gefeiert und stressig war es auch nicht. 

4. Das finanzielle Loch ... Nun, das habe ich selbst verschuldet, allem voran mit dem Gedanken: ab Januar wird dann gespart! Nach dem Motto: das noch und das noch geschwind, obwohl es schon eng wird, dann brauche ich es aber im neuen Jahr nicht kaufen. Für mich ist der Jahresanfang in erster Linie die Hoffnung auf Steuerrückzahlung und im besten Fall Nebenkostenrückerstattung.

5. Der selbst gemachte Neujahrsdruck ... Hier bin ich ein bisschen monkimimimimi mit Nics einleuchtenden Erläuterungen. Natürlich lässt sich alles, was man sich zum ersten Januar vornimmt, auch an oder ab einem neunundzwanzig August umsetzen. Aber 2024 war der 01.01. ein Montag und über mehr kann sich mein innerer Monk gar nicht freuen! Nun denn. Leider wahr - wie ich aus eigenen Erfahrungen weiß - sind die Frustration und das verdammt schlechte Gewissen, wenn man an zu vielen Fronten gleichzeitig kämpft und im dümmsten Fall an wirklich allen verliert, verdammt hoch und demütigend. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass es bei mir dieses Jahr nur drei waren und ich schon nach allerkürzester Zeit keine einzige davon unter Gewinn verbuchen konnte.

6. Die Arbeitsbelastung ... ist bei mir im Januar nicht höher als sonst, fühlt sich auch nicht so an. 

7. Die geringe körperliche Aktivität ... hält sich seit über einem Jahr, trotzdem ich mir (zu verbuchen unter Punkt 4.) ein Laufband gekauft habe, mit dem ich dem schlechten Wetter ins Gesicht lachen kann. Ich bin gerade zu müde für Sport. Oder bin ich nur müde, weil ich keinen Sport mache? Das ist eine Frage, mit der ich mich in einem anderen Post beschäftigen will. Aber nicht heute. 

.innerer krieg und frieden [30.01.2024]

Du wirst keinen Frieden in dir finden,
wenn du Krieg mit dir führst.
Du bist gut und richtig,
genau so, wie du bist.

Diese Worte standen heute Morgen auf einer meiner Glückskarten und könnten derzeit kein drängenderer Hinweis dahingehend sein, etwas von der Strenge und Enttäuschung abzulegen, die ich seit Wochen, seit Monaten, gegen mich selbst richte. Ich mag nicht sagen, dass ich im Krieg mit mir stehe, muss jedoch zugeben, täglich einen Kampf auszufechten. Seit einer Weile einen sehr, sehr müden. Ich wünschte, es wäre Gelassenheit, die sich allmählich einstellt. Leider ist es vielmehr Resignation, die sich aus Wut auf und Enttäuschung über mich selbst speist. Resignation und sehr viel Müdigkeit.

Möglich, dass ich wohlwollender zu mir sein sollte. Doch ich bin einfach nicht bereit, mich mit mir [wie ich gerade bin] und meiner Situation [wie sie sich für mich anfühlt] auf lange Sicht abzufinden. Ich muss mein Ändern ändern habe ich vor ein paar Tagen getwittert. Und das trifft exakt so zu. Ich verschlafe nur ständig den Anfang. Oder ich versaue ihn. 

Disziplin und Beharrlichkeit fielen mir nie schwerer als jetzt. Vielleicht sollte ich nachsichtiger mit mir sein? Aber was wird dann aus der Angst, mit all dieser Nachsicht in Schlendrian zu verfallen? Mich so lange zu schonen, bis der Arsch zu breit ist, um ihn überhaupt noch einmal in die Höhe zu bekommen? Dann zusehen zu  müssen, wie das Erwünschte Selbst in immer weitere Ferne rückt, bis es irgendwann unerreichbar wird? Und zuletzt unglücklich und voller Selbsthass über dieses Totalversagen werden? Ich habe ja nun auch schon mehr Tage hinter mir als - ganz realistisch betrachtet - noch für mich bereitgehalten werden.

Vielleicht denke ich zu viel über all das nach. Und vielleicht ist es gut, all das hier niederzuschreiben. Einfach abzulegen, es aufgehoben und nachlesbar zu wissen, und damit dem Kopf eine Auszeit zu geben. Ja, das macht durchaus Sinn. Wie sagte bereits Scarlett O'Hara: I'll think about it tomorrow. After all, tomorrow is another day! Nun denn.

Mittwoch, 11. Dezember 2024

.mammakarzinom | tagebucheintrag vom 01.01.2018


Angst bringt Klarheit. Angst bedeutet Lebenswille.

 
Zwei Sätze, die mir aus den Gesprächen mit meiner Psychoonkologin in Erinnerung geblieben sind. Zwei Sätze, die – jeder für sich – Entscheidendes in mir angestoßen haben. 

Mammakarzinom, das [ˈmamakaʁt͡siˈnoːm] Substantiv, neutrum
(der häufigste maligne Tumor der Frau)

Es ist merkwürdig, woran man sich erinnert. Und woran nicht. Ich kann noch genau sagen, wie das Wetter an jedem einzelnen Ereignistag war, welche Kleidung ich getragen habe, wer mir wann wo begegnet ist. 

Was die Beschreibung meiner Empfindungen und Gedanken angeht, ist die Rückschau schwammig. Vielleicht soll das so sein, damit bestimmten Dingen nicht mehr Aufmerksamkeit beigemessen wird als es gut und gesund für die Seele ist und sie mit höchstmöglicher Unbefangenheit heilen kann. Vielleicht ist es aber auch nur ein Verdrängungsmechanismus. Ich erinnere mich an so viele Nebensächlichkeiten, dass für die Tragödie kein mehr Platz bleibt.
 
| Donnerstag, 13. Juli 2017 
 
Ein hochsommerlicher Tag. Ich war dankbar, meinen jährlichen Vorsorgetermin morgens um sieben und danach noch genügend von meinem Urlaubstag zu haben. Dass alles anders kommen sollte, stand mit dem Stirnrunzeln meines Gynäkologen fest, als er während des routinemäßigen Abtastens der rechten Brust plötzlich innehielt. Eine Veränderung. Zur Abklärung des Tastbefundes vereinbarte er noch für den Nachmittag einen Termin zur Mammographie (Röntgenuntersuchung der Brust) und Mammasonographie (Brustultraschall).

Ich erinnere mich, dass ich viel zu früh in der Stadt und deshalb noch bei Douglas war. Wimperntusche kaufen. Dass ich bei KFC war und eine Burger Box gegessen habe. Wie verdammt lecker die war.

Ich erinnere mich jedoch nur vage an den Moment, als ich an diesem frühen Morgen vor meinem Auto stand und ungläubig auf die Überweisung für die Radiologie starrte. Genauso wie auf die Unterlagen, die mir die Arzthelferin am Nachmittag gab, nachdem die Radiologin während des Schallens den Verdacht meines Gynäkologen bestätigte. Dieser empfing mich dann am frühen Abend erneut in seiner Praxis und vereinbarte umgehend einen Termin zur Biopsie, nachdem er mich umfassend über das künftige Vorgehen aufgeklärt hatte. Von dem ich mir kaum etwas gemerkt habe.

Zu diesem Zeitpunkt belastete mich das alles tatsächlich nicht mehr als die Abklärung einer simplen Erkältung. 
 
| Freitag, 21. Juli 2017
 
Der Hochsommer hatte auch an dem Tag keine Pause eingelegt, an dem ich mich im Brustzentrum des Klinikums einfand. Bei der Stanzbiopsie wird Brust- und gegebenenfalls Lymphknotengewebe gewonnen. Das ist die Standardmethode für die Gewebeentnahme aus Knoten und Herdbefunden, die tastbar oder im Ultraschall sichtbar sind. Dazu wird eine etwa 1,5 mm dicke Hohlnadel mit einem Stanzgerät mit hoher Geschwindigkeit in die Brust geschossen und anschließend in einem Labor untersucht, um Brustkrebs auszuschließen. Oder zu bestätigen. 

Der Knoten in meiner Brust maß nur einen Zentimeter. Er war hart und unbeweglich, aber rund und glatt. Nicht nur die Optimistin in mir, auch das Fachpersonal war zuversichtlich, es handele sich um einen gutartigen Tumor. Das Ergebnis könne ich demnach bereits nach drei Tagen erfragen. Es dauerte zehn. Und ich war noch immer nicht beunruhigt.
 
| Dienstag, 1. August 2017
 
Fortwährend entspannt saß ich an diesem heißen Augusttag zwecks Besprechung des histologischen Befunds im Brustzentrum.

Die Ärztin bedauerte, dass ich auf das Ergebnis warten musste. Im Falle eines negativen Befundes hätte man mich natürlich zeitnah informiert. 

Das war der Moment, in dem sich die Rädchen in meinem Kopf zu drehen begannen, ineinandergriffen und die Maschine in Gang setzten.
 
Ich habe Krebs. 
 
Diese Erkenntnis transportierte mich für einige Stunden in eine Blase. Ich fühlte mich wie eine Zuschauerin in meinem eigenen Leben. Ich empfand Mitleid und tröstete die Menschen, die aufgrund meiner Diagnose weinten. Ich selbst war dazu nicht imstande.
 
| Dienstag, 8. August 2017
 
Es regnete, als ich zur stationären Aufnahme ins Klinikum ging. Es regnete während meines gesamten Aufenthalts. 

Während ich darauf wartete, mein Zimmer zu beziehen, maß eine Schwester meinen Blutdruck und nickte anerkennend ob meiner offensichtlichen Gelassenheit. Doch selbige schlug unerwartet um. Gefühle, die ich bis heute nicht spezifizieren kann, legten sich wie eine feuchte, kalte Hand in meinen Nacken, trieben mir Tränen in die und aus den Augen, als meine Psychoonkologin den Raum betrat. 

Abgesehen von den beiden oben genannten Sätzen kann ich mich kaum mehr an ihren Wortlaut erinnern. Wir sprachen kurz darüber, wie wichtig es sei, die Krankheit bei ihrem Namen zu nennen und sie als Teil meines Lebens anzuerkennen. Was ich tat. Im Gedächtnis blieb mir von diesem Morgen vor allem ihre Intentionalität in Bezug auf meine Beziehung, auf familiäre Bindungen, auf meine aktuelle Lebenssituation. Die Erkrankung sei Anstoß, über das nachzudenken, was ist und was sein könnte. Wie ich bin und wie ich sein möchte. Sie könne Klarheit schaffen und dazu anregen, Änderungen herbeizuführen. Der Endlichkeit des Lebens bewusst, sollte ich mich jetzt auf das konzentrieren, was mich glücklich macht, und aktiv zu meinem Glück beitragen. Der Nachsicht und des Verständnisses meiner Umwelt in dieser Situation sicher. Krebs als Freifahrtschein.

Diese mir bis dato völlig unbekannte Frau sprach alles an, was mich in den vergangenen zehn Jahren beschäftigte, umtrieb, durch und in die Depression führte. Im Grunde war sie der Anstoß und der Krebs die Kraft, die mich dorthin brachten, wo ich schließlich ankam.
 
| Mittwoch, 9. August 2017
 
Nachdem am Tag zuvor der Wächterlymphknoten sichtbar gemacht wurde, indem ein Tracer – also eine künstliche, oft radioaktiv markierte, körpereigene oder körperfremde Substanz, die nach Einbringung in den lebenden Körper am Stoffwechsel teilnimmt und darüber unterschiedlichste Untersuchungen ermöglicht oder erleichtert – ins Lymphsystem gespritzt wurde, um den nächstgelegenen Lymphknoten in der Nähe des Tumors zu identifizieren, und ich mich ausreichend über meerblaue Ausscheidungen lustig gemacht hatte, kam ich am späten Vormittag in den OP. Neben dem Mammakarzinom wurden zwei Lymphknoten entfernt, die nicht voneinander differenziert werden konnten. Der Tumor war raus aus meinem Körper. Den Krebs hatte ich abgehakt. Mein Fokus lag nun auf dem Thema Trennung und dessen Realisierung.
 
| Samstag, 12. August 2017
 
Ich durfte das Krankenhaus bereits drei Tage nach der OP verlassen. Kam zurück in die Wohnung, in der ich seit annähernd dreißig Jahren lebte, und fühlte mich nie weniger zuhause.
 
| Dienstag, 15. August 2017
 
Es war ein Sommer wie aus dem Bilderbuch – der Tag meiner gynäkologischen Nachsorge. Im Anschluss fuhr ich bei meiner Tante vorbei. Ich bin davon überzeugt – wie auch von allem anderen –, dass das Schicksal erneut einen Wegweiser für mich aufgestellt hatte. Die Kellerwohnung in ihrem Mietobjekt würde nächsten Monat frei werden. Meiner Intuition folgend, sagte ich sofort zu. 

Noch während wir bei Kaffee und Kuchen auf ihrer Terrasse saßen und über meine weitere Lebensplanung sprachen, erhielt ich einen Anruf der Klinik. Ich sollte mich noch am Nachmittag zum Befundgespräch einfinden. Aus der Formsache wurde schnell ein Schreckmoment. Krebszellen hatten sich vom Tumor gelöst und Tochtergeschwülste gebildet. Metastasen sind oft gefährlicher als der Tumor selbst. Dieser Gewissheit konnte auch ich mich nicht entziehen. Zum ersten Mal weinte ich – spät am Abend – eine Träne der Angst. Eine fucking einzige Träne.
 
| Mittwoch, 16. August 2017
 
Das Vertrauen in die Fähigkeit der behandelnden Ärzte und in das Schicksal, das mich auf einen Weg führte, nahm mir jegliche Angst und ersetzte sie durch beinahe trotzige Zuversicht. In einer weiteren OP wurden die beiden betroffenen und zehn weitere Lymphknoten entfernt. Zwei Tage später verließ ich das Krankenhaus und mental mein jetziges Leben.
 
| Montag, 21. August 2017
 
Die Sonne lachte und glich einem Omen, als ich mich im Strahlenzentrum einer Computertomografie von Thorax und Abdomen sowie einer Knochenszintigrafie unterzog. Wie die radioaktiven Moleküle sich in meinen Knochen ansammelten und das Skelett abbildeten, formierten sich meine Gedanken, lagerten sich ab und gaben mir eine genaue Vorstellung von dem, was nun zu tun war.

Nachdem ich am späten Nachmittag die erleichternde Gewissheit hatte, twitterte ich: Keine Metastasen mehr im Körper. Keine Monster mehr im Kopf. 

Am Abend teilte ich meinem Mann mit, dass ich mich trennen und ausziehen würde. Ich hatte mit allem gerechnet – Tränen, Schreie, Vorwürfe, Wutausbrüche –, aber nicht mit einem Achselzucken. 
 
| Samstag, 2. September 2017
 
Das Wetter hatte sich am Tag meines Auszugs auf Regen eingestellt. Doch in meinem Kopf schien hinter grauen Sorgen- und Kummerwolken die Sonne. Ich ging mit kaum mehr als dem, was ich am Leib trug. Die Kunst ist, aus dem alten Leben nur so viel mitzunehmen, dass die Erinnerung im neuen Leben nicht zur Last wird. Das habe ich eine Woche vor meinem Auszug getwittert – und mich daran orientiert. Mit der tatkräftigen Unterstützung meiner besten Freunde sowie Familie konnte der Umzug in weniger als einer Stunde abgeschlossen werden. Sie waren – und sind in großen Teilen nach wie vor – die mentale Unterstützung und der emotionale Rückhalt, für den ich unendlich dankbar bin und dessen Ausmaß mich noch heute überwältigt.
 
| Montag, 2. Oktober 2017
 
Nachdem mich meine beste Freundin zehn Tage zuvor zum Aufklärungsgespräch ins medizinische Versorgungszentrum begleitet hatte, begann meine Strahlentherapie. Durchgängig an jedem Werktag. Insgesamt 33 Sitzungen. Während dieser Zeit ging ich weiterhin meiner Arbeit in Vollzeit nach. Mein Chef und meine Kollegen und Kolleginnen waren großartig. Sie achteten darauf, dass ich mir nicht zu viel zumutete, vermittelten mir aber dennoch ein Gefühl von Normalität. 

Das Verhältnis zu meiner besten Freundin, meiner Tante und meinen Eltern wurde mit der Erkrankung noch inniger. Wir genießen meine neu gewonnene Freiheit, da wir uns nun endlich spontan verabreden und ohne unerwünschte Zuhörer quatschen können. Ich kann mich ohne schlechtes Gewissen mit Bekannten treffen und Twitterevents besuchen, die mir nicht vorher von meinem Mann madiggemacht wurden. 

Erst gegen Ende der Therapie wurden die Sitzungen körperlich anstrengender. Dennoch konnte ich nur selten über körperliche und keinen Tag über psychische Einschränkungen klagen.
 
| Dienstag, 19. Dezember 2017
 
Lange hatte ich mich dagegen gewehrt, hielt sie in meinem Fall für gänzlich überflüssig. Heute bin ich froh und dankbar, die Anschlussheilbehandlung auf Drängen meiner besten Freundin angetreten zu haben. Die Zeit für mich und meinen Körper war nötig. Das Schicksal sorgte dafür, dass ich ausschließlich auf Patienten traf, die über den gleichen Humor, die gleiche Einstellung und den gleichen Optimismus wie ich verfügten. Meine Abwesenheit über die Feiertage brachte mir Abstand und die nötige Ruhe vor einem möglichen, trennungsbedingten Konflikt. Es waren bereichernde drei Wochen. 

 
Resümee, das [ʁezyˈmeː] Substantiv, neutrum
(inhaltliche Zusammenfassung mit eigener Wertung)
 
Diese fünf Monate haben mich gefordert, lagen an manchen Tagen wie eine Zentnerlast auf meinen Schultern, zwangen mich jedoch nie in die Knie. Im Gegenteil. Sie machten meine Beine kräftiger. Ich stehe nun selbstsicherer meine Frau. Mit fast fünfzig habe ich voraussichtlich schon mehr Leben hinter als noch vor mir. Diese Zeit möchte ich allen Umständen zum Trotz möglichst uneingeschränkt glücklich verbringen. Zufrieden mit mir selbst. Auf meine Bedürfnisse achten, mich nicht mehr den Befindlichkeiten anderer unterordnen.

 
Das Mammakarzinom ist der häufigste bösartige Tumor der Brustdrüse des Menschen und kommt überwiegend bei Frauen vor. Etwa jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Dank Früherkennung und verbesserter Therapien gelten inzwischen fast neunzig von hundert Frauen fünf Jahre nach der Diagnose als geheilt. Dennoch sterben mehr Frauen an Brustkrebs als an irgendeiner anderen Krebserkrankung. Die Vorsorge schützt nicht vor der Erkrankung. Doch je früher der Brustkrebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Ich sage das nicht mit erhobenem Zeigefinger. Ich wünsche mir lediglich, dass durch meine Chronologie dieses Bewusstsein einen Platz im Gedächtnis findet.

Montag, 9. Dezember 2024

.3tausendund9und8zig

Vor 8 Jahren, 5 Monaten und zwei Wochen schrieb ich meinen letzten Post. Eine Pause sollte es sein. Eine Auszeit auf unbestimmte Zeit, in jedem Fall jedoch jenen Sommer lang. Es wurden neun Sommer. Mehr als 101 Monate und 14 Tage, in denen verdammt viel passiert ist. 

Verdammt viel für mich.
Verdammt viel mit mir.
Verdammt viel in mir. 

Dinge, die vergessen möchte.
Dinge, die ich fast vergessen habe.
Dinge, die ich niemals vergessen will. 

Ich habe versucht, meine Gedanken zu bewahren. Ich brauche das. Ich muss meine Gedanken irgendwo ablegen können. In eine Schachtel, in der ich ab und zu kramen und nachlesen kann. In die ich sie legen kann, damit sie erstmal aus meinem Kopf sind. 

Für sehr lange Zeit war Twitter meine Schachtel. Eine neue Schachtel, eine aufregende. Aufregender als mein Blog. 

Mein Blog. Ein wohliges, gemütliches kleines Wohnzimmer.
Twitter. Das aufregende, toxische Appartement der Pandora. 

Nein, es war nicht alles böse auf Twitter. Im Gegenteil. Ich hatte großartige Begegnungen und wertvollen Austausch. Twitter funkelte und strahlte. Ich hatte Feuer gefangen und leuchtete plötzlich. Heller als je zuvor. Ich glühte für diese Plattform. Insbesondere für einen besonderen Menschen. Und er für mich. Doch alles was wir hinterließen, war verbrannte Erde. Drei Jahre hustete ich Asche. Ich bin kein Phönix. Ich löschte einen Account mit 32.000 Follower und startete nach einer längeren Pause noch einmal bei 0. Immer wieder habe ich pausiert, mein Wohl zu finden versucht. Ich wusste nicht, wohin mit meinen Gedanken und vor allem nicht mit mir, konnte Twitter nicht loslassen und fühlte mich in keinem der neu erstellten Blogs wirklich zu Hause. Pause die Tausendste. Auf jeglicher Plattform.

Und nun?

Ich muss mein Ändern ändern, schrieb ich mal auf Twitter/X.

Die vergangenen achteinhalb Jahre haben mich verändert, gleichwohl das zunehmende Alter und die äußeren Umstände. Und dennoch strebe ich nicht danach, mich neu zu erfinden. Vergangenheit und Erfahrung sind ein Teil von uns und machen Teile von uns aus. Ich möchte zur Ruhe kommen ... in einem gemütlichen Ohrensessel sitzen, alte Alben betrachten und mit Neuem füllen. 

Jetzt sitze ich hier und schaue mich ... zugegeben, nicht ohne etwas Nostalgie in der oberen linken Brusttasche ... um. Die meisten meiner alten Nachbar:innen sind fort. Niemand schaut durch mein Fenster. Hier herrscht staubige Unordnung. Alte Tapeten, kaputte Geräte. Das ist mir gleich. Ich werde renovieren, mich wieder gemütlich einrichten. In aller Ruhe. Umzugskartons packen und Zeugs vom anderen Blog herschaffen. Ich habe keine Eile. Ich bin hier für mich und werde wieder ein warmes Zuhause für meine Gedanken schaffen. Das verspreche ich mir.