Donnerstag, 16. April 2026

.x steht für 10 | 31.05.2020 • 05.06.2020

X steht für 10.


»Wird es immer so sein?«, fragte der kleine Augenblick. »Wenn du größer und ein Moment geworden bist«, antwortete das Leben, »werden wir es wissen.«


Ja. Ich nehme die emotionalen, sozialen und psychischen Auswirkungen infolge der Be- und Einschränkungen sehr ernst. Aber nein: ›Wegen Corona...‹ ist keine Entschuldigung für alles.


Glücklich zu sein ist eine bewusste Entscheidung. Unglücklich übrigens auch.


Mama ist schwer gestürzt, erlitt u. a. eine offene Fraktur. Noch während der Krankenhausodyssee springt die Maschinerie ›Familie‹ an. Sofort übernimmt jeder diverse Aufgaben. Wir sind für Mama da. Und füreinander. Ich sage an dieser Stelle ›Ohana!‹ und bin erstmal offline.


Meine Familie. Ich hab sie mir weiß Gott nicht ausgesucht. Das Schicksal hat sie mir zugeteilt. Und das hat es verdammt gut mit mir gemeint.


Wenn ihr euch verloren hättet, wo genau würdet ihr suchen?


Wer ist eigentlich so bescheuert und stellt auf Twitter rhetorische Fragen? Oh!


Manchmal verliert man sich gar nicht. Manchmal vergisst man sich auch nur.


Nach fünf Tagen habe ich dieses blutsaugende Monster von Stechmücke endlich erwischt und an der Jalousie erschlagen. Dort lasse ich sie jetzt zum Trocknen kleben, damit ich den Kadaver später möglichst fleckenfrei abpulen kann. Meine Hausfrauenskills sind legendär.


Es gibt Tage, an denen spürst du die Müdigkeit eines ganzen Lebens.

Mittwoch, 15. April 2026

.x steht für 10 | 27.05.2020 • 31.05.2020

X steht für 10.


Nachts, wenn der Mund endlich schweigt, denkt sich der Kopf: ›Endlich komme ich auch mal zu Wort. Also, es ist so...‹


Die 4-jährige Nichte flippt jedes Mal schier aus, wenn sie mich sieht und läuft mir überall hinterher. Gerade steht sie vor mir, strahlt mich an und sagt: »Ich bin dein Grufti!« In Anbetracht meines Alters lasse ich das jetzt mal so stehen.


Dass Menschen morgens schon sprechen können, ist ja auch so eine Fehlkonstruktion der Evolution.


Intellekt fickt immer doppelt.


Eine psychische Erkrankung kann viel erklären und einiges entschuldigen. Es sei denn, du verhältst dich wie ein Arschloch. Dann bist du vermutlich auch eins.


Was lange währt, wird nicht endlich gut, sondern dauert einfach nur verdammt lange.


Mama: »Hast du die Gurke probiert?« Ich: »Ja. War super.« Mama: »Dann schmeckt sie dir?« Ich: »Woher soll ich das wissen?« Mama: »Du hast sie doch gegessen?« Ich: »Von ›essen‹ war nicht die Rede.« Mama [packt die mitgebrachten Bananen wieder ein]


Glaube stets an die Macht der Worte. Aber glaube nicht immer jedes Wort.


Zeige meiner Tante stolz mein Kräuterbeet und bin überzeugt, dass ich doch noch einen grünen Daumen bekommen habe. Ihr gutmütiges Lächeln sagt: »Ach, Süße. Ich kümmere mich heimlich um dein Beet und rette die Kräuter vor dem Tod. Freu mich, dass du dich freust. Hab dich lieb.«


Ich hatte Depression. Viele Jahre. Manchmal erinnere ich mich und werde traurig. Wegen der verlorenen Zeit. Und dann lächele ich die Angst weg. Weil ich weiß, die Dunkelheit kriegt mich nie wieder. Denn ich habe etwas, das ihr fehlt und mich stärker macht als sie: Zuversicht.

Dienstag, 14. April 2026

.x steht für 10 | 22.05.2020 • 26.05.2020

X steht für 10.


Ich habe dich begleitet, jedes Vorhaben unterstützt, jede Entscheidung mitgetragen. Ich stand hinter dir, wenn du Mut brauchtest, vor dir, wenn dir jemand Unrecht tat. Ich habe dich immer deinen Weg gehen lassen. Wie kannst du mir nun vorschreiben wollen, wie ich zu leben habe?


Es mag jetzt vielleicht einige Standardentschuldigungen ins Wanken bringen, aber nicht jedes Fehlverhalten ist nur die Folge eines Erziehungsfehlers.


Es ist egal, welche Maske du trägst. Immer schützt du dich oder andere.


»Bei einem Restaurantbesuch in Leer und einem Gottesdienst in Frankfurt hat sich eine größere Anzahl Personen mit dem Coronavirus infiziert.« »Wie kann sowas denn passieren? Es gab doch die Lockerungen?« Nein. Nicht das Virus, sondern die Dummheit wird uns wohl dahinraffen.


Natürlich ist mein Account öffentlich. Natürlich weiß ich, was ich schreibe. Natürlich gebe ich Privates preis. Natürlich darf man seine Meinung äußern. Natürlich muss ich mit Replies rechnen. Aber ich muss mich weder blöd, noch notgeil anmachen lassen. Punkt.


»Wir wollen Omas 95. Geburtstag nochmal alle zusammen bei ihr verbringen. Es könnte ja schließlich das letzte Mal sein.« Sicher, Gertrud. Wenn ihr mit 20 Mann auf 60 qm feiert, stehen die Chancen dafür auch sehr gut. Herzlichen Glückwunsch.


Lieber DM-Schreiber. Ich bin enttäuscht. Du hättest wenigstens auch noch ein siebzehntes Mal ›Hi‹ schreiben können, bevor du mich blockst.


[eben bei meinem Stamm-Rewe] Verkäuferin: »So schade mit diesen Masken. Ich hab Ihr Lächeln immer so gerne gesehen.« Ich [freudig überrascht]: »Oh! Dankeschön.« Verkäuferin: »Wissen Sie, was schön ist? Sie lächeln sogar mit den Augen.« Fuck you, Montag! Du kannst mir gar nix!


Manchen Menschen möchte man gerne mal liebevoll über die Wange fahren, um sie zur Vernunft zu bringen. Mit einem 360-Tonner.


Ich hab mal beschlossen, zu leben. Und dann kam die Realität dazwischen.

Montag, 13. April 2026

.x steht für 10 | 18.05.2020 • 22.05.2020

X steht für 10.


Manchmal ist es nur ein kleiner Fliegenschiss auf der Festplatte. Aber er reicht, um das ganze System endgültig zum Zusammenbruch zu bringen.


[Kippen sind alle] »Na, toll! Noch schlimmer kann dieser Scheißkackfotzendreckstag jetzt wenigstens nicht mehr werden.« [Weinflasche im Hintergrund]: *plopp* *schepper* *klirr*


Nur ein Mal so viel Macht haben wie ein Gefühl.


»Vater? Warum hast du den Menschen Ohren gegeben? Sie hören ja doch nie zu!« »Sohn: In zweitausendundzwanzig Jahren werde ich ihnen ein Virus schicken.« »Und dann werden sie endlich zuhören?« »Nein. Aber die Mund- und Nasen-Masken müssen schließlich irgendwo befestigt werden.«


Ich bin über fünfzig, habe schon mehr Zeit hinter als noch vor mir und bereits Unmengen an Erinnerungen und Erfahrungen. Für Grübeleien, warum mich jemand nicht mehr in seinem Leben will, habe ich keine Synapsen mehr frei.


Dieses ›über Tränen hinweglächeln‹ beherrsche ich immer weniger gut.


Irre, wie viel man noch von dem erträgt, was schon lange nicht mehr tragbar ist.


Da bringt man die Terrasse auf Hochglanz, macht sie sich schön gemütlich, und dann kann man nicht mal draußen sitzen, weil einem das Gesicht wegläuft. Ich werde das Schneewittchen 2020. Nur in Blond. Danke, Heuschnupfen. Danke für nichts.




Vielleicht habe ich inzwischen so viel verdrängt, dass auch ein Teil von mir verschwunden ist.

Sonntag, 12. April 2026

.x steht für 10 | 16.05.2020 • 18.05.2020

X steht für 10.


Zukunft bitte nur mit wasserfesten Stiften ausmalen!


[Mama] »Ein Smart-TV gefällt dir sicher.« *bestellt im Internet »Eine Spülmaschine brauchst du.« *bestellt im Internet »Ein Stabmixer fehlt dir.« *bestellt im Internet »Ein neuer Staubsauger muss her.« *bestellt im Internet »Ein Mann wäre nett.« Und jetzt hab ich Angst.


Humor hat mehr Sexappeal als jeder Hüftschwung.


Guten Morgen, Twitter und Rest vonne Welt. Ich kann euch erzählen, dass heute Internationaler Tag gegen Homophobie und Transphobie ist. Und ich wünsche mir, dass auch der letzte Idiot Homo- und Transsexualität endlich nicht mehr als psychische Störung pathologisiert.


Das Problem ist: Bevor ich einen Gedanken wirklich zu Ende bringen kann, hab ich oft schon vergessen, wie er angefangen hat.


Ich habe gerade die Adoptionspapiere für meine beiden Kitten @paulundemil unterschrieben. Und vielleicht schlafe ich ab sofort im Katzenkörbchen. [auf dem Kratzbaum sitzend gesendet]


Es gibt die, die sich verantwortungslos zusammenrotten, um gegen die Corona-Einschränkungen zu demonstrieren. Dann gibt es die, die sich zusammenrotten, um gegen die verantwortungslose Zusammenrottung der Demonstration zu demonstrieren. Und es gibt mich. Ich versteh's nicht.


Besser als genug zu haben, ist genug zu sein.


Ich bin nicht ungeduldig. Aber ich esse gern. Deshalb weiß ich, dass alles ein Ablaufdatum hat. Auch Zeit.


Solange man noch atmet, ist man nicht am Ende. Solange das Herz noch schlägt, wächst aus dem, das man aufgebraucht wähnte, immer wieder Neues.

Samstag, 11. April 2026

.x steht für 10 | 12.05.2020 • 15.05.2020

X steht für 10.


»Und wie verhütest du?« »Ich komme aus Hessen und beginne zu sprechen.«


Lieber Schlaf, ich weiß, wir hatten unsere Differenzen. Aber können wir bitte wieder Freunde sein?


Die, denen man spontane Gedankenfürze schicken kann, ohne dass sie die Nase rümpfen: Festhalten!


Ich habe heute Morgen die Schramme in meinem Gesicht fachmännisch - also wie von Opa gelernt - versorgt. Jetzt ist Nachmittag, ich war schon mehrmals im Bad und im Supermarkt und habe immer noch den Klopapierfitzel auf der Nase. Nur falls wer fragt, ob ich eitel bin.


Die Autokorrektur lernt schneller vom Anwender als der Anwender vom Leben. Schon traurig.


Verehrtes Gefolge und Ichüberlegenochfolger. Ich bin • Nutella mit Butter • weiße Schokolade • Pizza mit Ananas • Kartoffelsalat ohne Majonäse • Käsekuchen ohne Rosinen • Jägermeister statt Gin • pro Mundschutz • contra Aluhut Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.


Wir können leider kein neues Leben anfangen. Wir haben schließlich nur dieses. Aber wir können es so modifizieren, damit es besser oder eben anders wird. Also los. Seid mutig!


Ich weiß nicht, ob ich wirklich stark bin. Aber ich bemühe mich jeden verdammten Tag, es zu werden, zu sein und schließlich zu bleiben.


Haltet mich für wasauchimmer. Aber Eltern, die mit Kippe in der Hand ihre Kinder beim Spaziergehen mit eben dieser Hand permanent per Kopfschubsen durch eine Menschenmenge manövrieren, statt auf Kippe zu verzichten und ihr Kind an die Hand zu nehmen, widern mich einfach nur an!


Leute, so beruhigt euch doch. Atmet locker durch die Hose. Die neue Weltordnung tritt erst am 29.06.2020 in Kraft. Da ziehen die Katzen bei mir ein.

Freitag, 10. April 2026

.x steht für 10 | 09.05.2020 • 11.05.2020

X steht für 10.


Gelegenheiten sind in individueller Wahrnehmung verpackte Chancen. Der eine erkennt sie, der andere nicht.


Einigen geht's mit dem Wiederanstieg der Reproduktionszahl wohl nicht schnell genug? Das ist kein Wettkampf nach oben, ihr rücksichtslosen Idioten!


Ich war Schlüsselkind. Unerwünscht. Ein Klotz am Bein, der täglich Schläge bezog. Erfahrungen prägen. Aber Leben verändert. Ereignisse verändern. Es brauchte 48 Jahre, den Krebs und meine Trennung, bis zu dieser tiefen, innigen Mutter-Tochter-Liebe heute. Es war alles wert.


Früher reichten Stichworte, um mich an etwas zu erinnern. Heute brauche ich vollständige Stichsätze. Mit Fußnoten.


Wir könnten so viel aus der aktuellen Situation lernen. Eigentlich.


Mama: »Hast du schon eine Tierkrankenversicherung für die Katerchen?« Ich: »Noch nicht. Die sind alle so teuer. Ich muss...« Mama: »...nicht weiter suchen. Ich lege ein Sparkonto an. Sie sind schließlich meine Enkel!« Liebe macht manchmal ›Miau‹.


Ich dachte, nach der Scheidung hätten sich die Anspannungen des Ex gelöst, die er bei jedem unserer Kontakte hatte. Ich habe mich geirrt. Es sind immer nur meine Anspannungen gewesen.


Die formlosen Gedanken des Tages nehmen in der Nacht Gestalt an. Immer.


[Stille auf meinem Account] Twitterer so: »Hach, Gottchen! Wie niedlich! Schau doch mal, wie's daliegt!« *folgt* [ich poste einen Tweet] »IGITT! ES HAT SICH BEWEGT! ARGH! BÄH! WEG!« *entfolgt*


Oft ist Ablenkung nur die Flucht vor der Angst.