Im Oktober letzten Jahres haben wir den Geburtstagsgutschein einer Freundin eingelöst und sind in den Frankfurter Zoo gefahren. Erstens, weil er für uns mit den Öffentlichen am schnellsten erreichbar ist. Und zweitens, weil es dort Capybaras gibt, die sie so liebt.
Der Zoo Frankfurt (zeitweise auch Zoologischer Garten Frankfurt) wurde 1858 in Frankfurt am Main eröffnet und ist damit, nach dem Zoologischen Garten Berlin, der zweitälteste Zoo Deutschlands. Er entstand auf Betreiben einer Bürgerinitiative. Dazu pachtete die Zoologische Gesellschaft Frankfurt zunächst den Leer’schen Garten im Westend, direkt an der Bockenheimer Landstraße und westlich der heutigen Straße Unterlindau gelegen. Als man schließlich die Genehmigung der örtlichen Polizeibehörde eingeholt hatte, mit der „das Halten wilder Tiere in geeigneten Behältern“ gestattet wurde, wurden am 8. August 1858 die ersten exotischen Tiere präsentiert, jedoch wurden vorerst lediglich Pflanzenfresser genehmigt.
Die Debatte um Zoos umfasst Pro-Argumente wie Artenschutz durch Zuchtprogramme, Forschung und Umweltbildung sowie Contra-Argumente wie nicht artgerechte Haltung, Einschränkung der Bewegungsfreiheit und ethische Bedenken bezüglich der Gefangenschaft zur Unterhaltung. Während Befürworter betonen, dass Zoos bedrohte Arten erhalten, kritisieren Gegner die Zurschaustellung und die teilweise Tötung gesunder Tiere bei Platzmangel. Ich selbst habe diese Debatte schon so oft mit mir selbst geführt. Nichtsdestotrotz obsiegt Herz über Kopf. Ich liebe Zoos.
Im Zoo Frankfurt sind vom Aussterben bedrohte Sumatra-Tiger im "Katzendschungel" beheimatet. Die Anlage wurde Anfang 2025 modernisiert, um den Innenbereich für die Tiere abwechslungsreicher zu gestalten. Aktuell leben dort Sumatra-Tiger EMAS und Tigerin CINTA, nachdem es 2025 Nachwuchs mit den Jungtieren Rasmi und Mandala gab. Die Sumatra-Tiger sind im sogenannten Katzendschungel des Zoo zu finden. Nach der Ankunft von Kater Emas Ende Dezember 2024 ist wieder ein Paar (Emas und Cinta) im Zoo zu sehen. Anfang 2025 wurden die Innenanlagen umfassend mit Totholz, Pflanzen und neuem Bodengrund ausgestattet, um die Haltungsbedingungen zu optimieren. Der Zoo Frankfurt beteiligt sich aktiv am europäischen Erhaltungszuchtprogramm für diese seltene Unterart, von der nur noch wenige hundert Tiere in der Wildnis existieren. Die Anlage ist auf die Bedürfnisse der neugierigen und aktiven Tiger ausgelegt, wobei Rückzugsmöglichkeiten und Beschäftigungsmöglichkeiten im Vordergrund stehen.
Das Affenhaus, offiziell als Borgori-Wald bekannt, beherbergt die Menschenaffen (Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans) in einer modernen, tropischen Dschungellandschaft. Wir schlendern daran erstmal vorbei und gönnen uns einen Kaffee.
Und dann geht's zu den Capys. Die standen zwar weit entfernt, aber Spalier .. als hätten sie es eigens für die Freundin einstudiert. Es war ein herrlicher Anblick! Unvergesslich, auch wenn ich ihn mit der Smartphonekamera so leider nicht einfangen konnte.
Capybaras, auch Wasserschweine genannt, sind die größten Nagetiere. Vielen Besucherinnen und Besuchern sind sie vermutlich noch in guter Erinnerung, denn bis 2011 gehörten sie zu den Stammbewohnern des Zoos. Jetzt ist die Art nach acht Jahren Pause wieder zurück. Gemeinsam mit Nandus, Vikunjas und Maras bevölkern vier junge Tiere eine der beiden großen Südamerika-Anlagen im Zoo. Seit 2011 gab es im Frankfurter Zoo keine Capybaras mehr. Jetzt sind vier Vertreter der Riesennager wieder da. Die beiden Brüderpaare stammen aus Würfen im Mai und Dezember 2018 und sind aus dem Zoo Parc Overloon in den Niederlanden nach Frankfurt gekommen. Wasserschweine (Hydrochoerus hydrochaeris), die zur Familie der Meerschweinchen (Caviidae) zählen, bewohnen weitläufige Grassavannen, Sümpfe und Regenwälder stets in Wassernähe. Wie viele Nagetiere ernähren sie sich von Gras und Rinde, außerdem von Wasserpflanzen. Auffällig, im Gegensatz zu vielen anderen Tierarten, ist, dass die Weibchen meist größer als die männlichen Tiere sind. Zu ihrer Besonderheit zählt, dass sie sich im Wasser pudelwohl fühlen. Bei Gefahr, zum Bespiel durch einen herannahenden Jaguar, flüchten sie ganz einfach ins Wasser. Ihre kurzen Schwimmhäute zwischen den Zehen helfen ihnen dabei, sich mühelos im Wasser fortzubewegen. Wie alle Nagetiere besitzen auch sie meißelförmige Schneidezähne, mit denen sie Rinde und Äste abnagen. Die großen Nagetiere können bei einer Körperlänge von bis zu 130 cm und einer Schulterhöhe bis zu 60 cm über 70 kg schwer werden. Sie leben meist in großen Gruppen oder Familienverbänden. Die geselligen Capybara-Mütter machen beim Säugen keinen Unterscheid zwischen ihren eigenen und fremden Jungtieren. Sie säugen alles, was Hunger hat. Die Gruppe wird vom ranghöchsten Männchen angeführt, dieses setzt markante Duftmarken mit Hilfe eines Sekrets aus seiner Nasenrückendrüse. Die Art gilt bislang als nicht gefährdet, der Populationstrend ist allerdings rückläufig. Geschuldet ist dies dem Verlust ihrer Lebensräume durch Viehhaltung oder andere landwirtschaftliche Nutzungen.
Das Ziegengehege im Zoo Frankfurt ist als interaktiver Streichelzoo konzipiert, in dem man direkten Kontakt zu den dort lebenden Zwergziegen haben kann. Eine Besonderheit ist die Wellness-Station am Ziegenstall. Hier können sich Besucher Bürsten nehmen, um die Tiere zu striegeln. Das Gehege ist in einen Besucherbereich und einen Rückzugsbereich unterteilt. Wenn die Ziegen Ruhe benötigen, können sie sich eigenständig in ihren Stall oder den geschützten Bereich zurückziehen.
Auf dem Weg vom Haupteingang vorbei an den Zooterrassen steht auf der linken Seite ein Naturstein mit einem Porträtrelief aus Bronze. Es ist Kurt Priemel gewidmet und geschaffen von dem Frankfurter Bildhauer Carl Wagner. 1908 wurde Kurt Priemel wissenschaftlicher Direktor und 1913 Direktor des Frankfurter Zoos (bis zum Beginn seines Ruhestandes 1938).
Fortsetzung folgt.
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